Austausch mit Polen über bewährte Praktiken im Energiebereich

Artikel, 03.04.2017

Polen zeigt grosses Interesse an erneuerbaren Energien und Instrumenten zur Sensibilisierung der Bevölkerung für den Klimaschutz. Deshalb hat die Schweiz in den letzten fünf Jahren in dem Land zehn Projekte im Bereich Energieeffizienz und erneuerbare Energien unterstützt und nun zum fünften Mal eine Delegation empfangen, die sich für die Schweizer Politik und Expertise im Energiebereich interessiert. Da der Schweizer Erweiterungsbeitrag an die zehn neuen EU-Mitgliedstaaten im Juni 2017 ausläuft, war dieser Besuch umso wichtiger, um die nachhaltige Wirkung der Schweizer Aktivitäten im Ausland zu sichern und die schweizerisch-polnischen Partnerschaften zu konsolidieren.

Die Gruppe steigt die zu den Turbinen des Wasserkraftwerks von Broc führende Treppe hinunter.
Die polnische Delegation besichtigt das authentische Wasserkraftwerk von Broc bei laufendem Betrieb. @ SECO

Das SECO hat im März 2017 eine polnische Delegation aus der im Südosten des Landes gelegenen Region Jassel (Jasło) empfangen. Die Lehrkräfte sowie Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinden waren für die Umsetzung des Projekts «Erneuerbare Energiequellen im Flussbecken der Wisłoka» zuständig, bei dem mit Unterstützung der Schweiz mehr als 8000 Solarpanels auf Privathäusern und 105 auf öffentlichen Gebäuden installiert wurden. Der Besuch in der Schweiz diente dem Austausch von Best-Practices sowie der Förderung möglicher künftiger Kooperationen im Bereich Umwelt und erneuerbare Energien. 

Unter den besichtigten Einrichtungen weckte insbesondere das Energiemanagement von Yverdon-les-Bains grosses Interesse bei den polnischen Gemeindevorständen und der Projektleiterin. Denn die Gemeinde Yverdon-les-Bains produziert und vertreibt ihre eigene Elektrizität. So kann sie auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner eingehen, innovative Projekte wie die partizipative Solaranlage umsetzen und ihre Umweltmassnahmen besser vermarkten. Nach Meinung der polnischen Projektleiterin Maria Lignar sollten auch die polnischen Gemeinden die Stromproduktion selbst verwalten, um die Energieplanung optimaler auf die Bürgerinnen und Bürger auszurichten und umweltverträglicher zu gestalten. Ebenfalls überzeugt haben die polnische Delegation die als Anreizsystem gedachten Subventionen, die die Gemeinde Montreux über einen kommunalen Fonds für nachhaltige Entwicklung an ihre Bevölkerung bezahlt. Der Fonds soll die Bürgerinnen und Bürger dazu motivieren, in erneuerbare Energiequellen zu investieren. Sowohl die Gemeinde Yverdon-les-Bains als auch Montreux tragen das Label «Energiestadt». 

Die Delegation hat auch die Pädagogische Hochschule Freiburg (HEP-PH FR) besucht. Dabei stand die Sensibilisierung der Jugendlichen für den Umweltschutz im Zentrum − ein Anliegen, das die Schweiz in Polen ebenfalls unterstützt hat. Die transversale Integration der Thematik der nachhaltigen Entwicklung im Schweizer Lehrplan und die präsentierten Beispiele haben die polnischen Lehrkräfte für ihre eigenen Lehrpläne besonders inspiriert. Das grosse Umweltbewusstsein der Schweizerinnen und Schweizer, der Trend zum Konsum lokaler und biologischer Produkte sowie das Abfallmanagementsystem haben die Gemeindevorstände und Lehrkräfte während des Besuchs ebenfalls beeindruckt. 

Im Freiburgischen Broc besichtigte die Delegation das Informationszentrum Electrobroc, das sich in einem Wasserkraftwerk befindet, und im aargauischen Spreitenbach das Ausstellungszentrum Umwelt Arena, das sich Energie- und Umweltfragen widmet. Die polnische Delegation möchte nämlich ein Ausbildungszentrum aufbauen, um die Bevölkerung stärker für Umweltthemen zu sensibilisieren. Der Besuch in der Schweiz endete an der Universität Zürich mit einer Präsentation von «Green Roofs» (Urban Gardening auf Dächern). Dieses zukunftsträchtige Konzept könnte auch in Polen bald Schule machen. 

Ein Programm geht zu Ende
In den letzten fünf Jahren hat die Schweiz in Polen zehn Projekte im Bereich Energieeffizienz und erneuerbare Energien unterstützt. Im Südosten Polens, der Schwerpunktregion des Schweizer Erweiterungsprogramms, erhielten rund 50 polnische Gemeinden eine Kofinanzierung für den Kauf und die Installation von Solaranlagen zur Aufbereitung von Warmwasser für 25 000 Haushalte und 210 gemeinnützige Gebäude. Bei 120 öffentlichen Gebäuden wurden zudem Photovoltaikanlagen auf den Dächern sowie rund 40 geothermische Wärmepumpen montiert. Im Nordosten Polens wurden über 90 öffentliche Gebäude an 24 Standorten modernisiert und mit Solarpanels ausgerüstet. 

Um die Energieeffizienz des Heizsystems der Stadt Warschau zu optimieren, wurden gut 100 kommunale Heizstationen, d.h. 20 Prozent des Systems, durch 810 individuelle Stationen ersetzt. Diese kommen etwa 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern zugute. Das Schweizer Erweiterungsprogramm unterstützte auch den Bau einer Biomasseanlage. So profitieren die 35 000 Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Lebork nun von diesem innovativen System, das 37 Prozent des Heiz- und Elektrizitätsbedarfs der Stadt abdeckt. Bei allen Projekten wurden zudem breit angelegte Massnahmen zur Sensibilisierung der Bevölkerung für die Themen erneuerbare Energien und Umweltschutz durchgeführt. Dank des Schweizer Programms in Polen konnte die Luftqualität verbessert werden und die CO2-Emissionen wurden um jährlich 88 000 Tonnen reduziert.