Freiwillige Feuerwehr in Rumänien – Einsatz der Zivilgesellschaft

Artikel, 06.07.2016

Die rumänische Zivilgesellschaft setzt sich für die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr ein. Vor über fünf Jahren verabschiedete das rumänische Parlament ein Gesetz, laut dem jede Gemeinde im Land über eine Freiwillige Feuerwehr verfügen  muss. Leider fehlte den Gemeinden das Geld für eine Gründung, weshalb das Gesetz vielerorts  ein Stück Papier blieb. Also wurde die Zivilgesellschaft mit Hilfe des Vereins Opération Villages Roumains - Suisse und dem Schweizer Erweiterungsbeitrag aktiv.

Drei Personen geben sich als Zeichen der Zusammenarbeit die Hand.
Im nationalen Feuerwehrmuseum gibt es ein Schaufenster, das der Schweizer Feuerwehr gewidmet ist. Es ist ein Zeichen der Dankbarkeit von Seiten des rumänischen Inspektorats für Notfallsituationen an die Projektmitarbeitenden in der Schweiz, mit denen es seit gut vier Jahren erfolgreich zusammenarbeitet. © DEZA

Der Schweizer Pascal Praz, Vorsitzender des Vereins Opération Villages Roumains - Suisse, setzt sich dafür ein, dass ausgedientes Material der Schweizer Feuerwehr nach Rumänien gelangt. Er erklärt: «20 Jahre alte Feuerwehrautos werden in der Schweiz ausser Betrieb genommen. Sie haben aber lediglich fünfzehntausend Kilometer zurückgelegt und funktionieren tadellos. Wir übernehmen die Feuerwehrautos und unterziehen sie einer Wartung, bevor sie nach Rumänien gehen.»

Der Verein richtete gemeinsam mit rumänischen Vertreterinnen und Vertretern  Zentren für Freiwilligeneinsätze bei Notfällen ein und schulte die Freiwilligen. Das rumänische Militär und Schweizer Feuerwehrleute, welche während ihrer Ferien nach Rumänien reisten, bildeten die Freiwillige Feuerwehr gemeinsam aus. Aufgrund des Erfolgs des Projekts entschied sich die Schweiz, den Verein Opération Villages Roumains - Suisse  mit  250‘000 CHF des Erweiterungsbeitrags zu unterstützen. Ziel ist, dass die Freiwillige Feuerwehr in Rumänien weiter wächst.

Der Verein Opération Villages Roumains - Suisse wurde 1988 in Brüssel als Protestbewegung gegen das Dorfsystematisierungsprogramm des damaligen Präsidenten  Nicolae Ceaușescu gegründet. Das  Programm sah Zwangsumsiedlung der Bevölkerung kleinerer Ortschaften in agro-industrielle Zentren vor, um  Ackerland zu gewinnen. Aus Protest gegen die Zerstörung des traditionell ländlichen Lebensraums in Rumänien, setzte sich der Verein Opération Villages Roumains, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern  der Schweiz, Belgien, Niederlande und Frankreich, ein und unterstützte die rumänischen Dörfer.

Warum die Freiwillige Feuerwehr wichtig ist

Die Freiwillige Feuerwehr in Rumänien besteht in Form von regionalen Einsatzstellen für Ausnahmezustände. Jede Einsatzstelle deckt jeweils vier bis fünf Gemeinden ab. 40 bis 50 Feuerwehrleute wurden  bisher für Notfallsituationen ausgebildet. Die Freiwillige Feuerwehr entlastet die Berufsfeuerwehr, indem sie kleinere Einsätze selber übernimmt oder die Zeit bis zum Eintreffen der Berufsfeuerwehr am Einsatzort überbrückt. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte sind darüber hinaus für andere Notfallsituationen wie Überschwemmungen geschult.

Dank der Zivilgesellschaft wurde dem  rumänischen Gesetz über die Freiwillige Feuerwehr Rechnung getragen. Eine rumänisch-schweizerische Partnerschaft schuf die Basis für die Freiwillige Feuerwehr und hat damit zur Umsetzung des Gesetzes beigetragen. Seit Beginn des durch den  Schweizer Erweiterungsbeitrag finanzierten Projekts entstanden weitere vier Einsatzstellen der Freiwilligen Feuerwehr. Bis Ende des Jahres 2016 sollen noch mehr Einheiten eingerichtet werden.

Blog Stories of Renewal

Dieser Artikel über die Entstehung der Freiwilligen Feuerwehr in Rumänien basiert auf dem rumänischen Blog «Stories of Renewal», der 2015 im Rahmen des rumänisch-schweizerischen Kooperationsprogramms entstanden ist. Der rumänische Journalist Victor Kapra und die rumänische Fotografin Cătălina Filip  haben Menschen aus Projekten, die mit dem Schweizer Erweiterungsbeitrag unterstützt werden, zu Wort kommen lassen und fotografiert.

Der Schweizer Erweiterungsbeitrag finanziert die besuchten Projekte durch den Partnerschafts- und Expertenfonds und den Thematischen Fonds für die Partizipation der Zivilgesellschaft. Ziel dieser zwei Fonds ist es einerseits, bestehende und neue Partnerschaften zwischen rumänischen und schweizerischen Organisationen und Gemeinden zu unterstützen und Schweizer Fachwissen an rumänische Institutionen zu vermitteln. Andererseits fördern die Fonds die aktive Teilnahme der Zivilbevölkerung an  der rumänischen Gesellschaft.

Der Erweiterungsbeitrag an Rumänien

Rumänien ist einer der 13 Staaten, welcher der EU seit 2004 beigetreten ist und damit vom Schweizer Erweiterungsbeitrag unterstützt wird. Der Erweiterungsbeitrag trägt zum Abbau der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten innerhalb der EU bei. Der Schweizer Beitrag an Rumänien beträgt 181 Millionen CHF und wurde 2009 vom Schweizer Parlament verabschiedet. Mit dem Erweiterungsbeitrag setzt die Schweiz in Rumänien rund 60 Projekte um. Ein besonderer Schwerpunkt bei den Projekten liegt auf der Gründung von Partnerschaften zwischen der Schweiz und Rumänien.