Wirtschaftliche und soziale Ungleichgewichte in der EU

Grafik kaufkraftbereinigtes Pro-Kopf-Einkommen EU-13
Entwicklung des kaufkraftbereinigten Pro-Kopf-Einkommens der EU-13 im Vergleich zum Pro-Kopf-Einkommen der EU-28. © SECO

Obwohl die neuen Mitgliedstaaten aufholen, bestehen in der EU weiterhin grosse wirtschaftliche und soziale Ungleichgewichte. Die Kaufkraft der seit 2004 der EU beigetretenen Staaten (EU-13) ist im Durchschnitt immer noch deutlich schwächer als in den alten Mitgliedstaaten. Während die Grundbedürfnisse gedeckt sind, sind beim Wohlstand und vor allem bei den Chancen grosse Unterschiede festzustellen.

Im Jahr nach der ersten Osterweiterung war das kaufkraftbereinigte Bruttoinlandprodukt pro Kopf in den neuen Mitgliedsländern durchschnittlich halb so gross wie in den alten EU-Staaten. Fast alle neuen EU-Mitgliedstaaten haben seither stark aufgeholt. Ihre Kaufkraft ist aber immer noch deutlich schwächer als der EU-Durchschnitt. Die verbleibenden wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede sind noch grösser, wenn nicht nur die Ungleichgewichte zwischen den Mitgliedstaaten, sondern auch die Ungleichgewichte innerhalb der Länder in Betracht gezogen werden.

Nach der Finanzkrise wieder auf Wachstumskurs

Die EU-13 wiesen zwischen 2001 und 2007 eine hohe wirtschaftliche Dynamik auf. Mit der steigenden Integration in die Weltwirtschaft stieg jedoch auch die Anfälligkeit der Länder auf externe Schocks. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die neuen EU-Mitgliedstaaten anfänglich stark betroffen. Die durchschnittliche EU-13 Wachstumsrate von 6,7% im Jahre 2007 fiel auf -6,8% im Jahr 2009. In der Zwischenzeit hat sich die Lage beruhigt. Die Volkswirtschaften der EU-13 wachsen wieder. Auch die Arbeitslosenrate konnten fast alle EU-13 reduzieren. Die Jugendarbeitslosigkeit nahm tendenziell ab, verbleibt aber auf einem besorgniserregend hohen Niveau.

Weniger Chancen

2016 veröffentlichte die EU erstmals einen regionalen Index zum sozialen Fortschritt. Dieser deckt drei umfassende Dimensionen des sozialen Fortschritts ab: grundlegende menschliche Bedürfnisse, Grundlagen des Wohlstands und Chancen. Jede Dimension setzt sich aus vier thematischen Bereichen zusammen. Diese Bereiche decken Themen wie Gesundheitsversorgung, Qualität und Erschwinglichkeit von Wohnraum, persönliche Sicherheit, Zugang zu Hochschulbildung und Umweltverschmutzung ab. Der Index basiert ausschliesslich auf sozialen und ökologischen Indikatoren. Die Ergebnisse zeigen, dass der soziale Fortschritt in Nordeuropa und den Niederlanden am grössten und in Rumänien und Bulgarien am kleinsten ist. Während die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse nur in sehr wenigen Regionen (alle in den EU-13) nicht gedeckt sind, sind beim Wohlstand und vor allem bei den Chancen grosse Unterschiede festzustellen.