Eidgenössisches Departement für
auswärtige Angelegenheiten EDA

«Wir konnten mit dem Rätoromanischen weltweit präsent sein»

Im Interview mit der Tageszeitung «Die Südostschweiz» spricht Bundesrat Ignazio Cassis über die vom EDA lancierte «Emna rumantscha», seinen Einsatz für sprachliche Minderheiten, über Dialogkultur und Verständnis für Andersdenkende. Dabei streicht der Vorsteher des EDA hervor, dass die Mehrsprachigkeit für das Bild der Schweiz im Ausland eine wichtige Rolle spielt.

18.03.2021
EDA
Fotomontage mit Ignazio Cassis, der in die Kamera schaut, und zwei Sprechblasen-Icons, die eine Interview-Frage und -Antwort symbolisieren.

Im Interview mit der regionalen Schweizer Tageszeitung «Die Südostschweiz» spricht Bundesrat Ignazio Cassis über die vom EDA lancierte «Emna rumantscha». © EDA

Die erste Ausgabe der «Emna da la lingua rumantscha» ist vorbei. Im Rahmen des Projekts, das von Bundesrat Ignazio Cassis persönlich unterstützt wurde, haben mehrere Schweizer Auslandvertretungen die rätoromanische Sprache und Kultur im Ausland bekannter gemacht. In der Schweiz selbst hat Bundesrat Cassis mit Vertretern der Regierung des Kantons Graubünden die «Emna rumantscha» lanciert und damit auch den innenpolitischen Aspekt unterstrichen. «So haben wir es geschafft, mit dem Rätoromanischen während dieser Woche nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit präsent zu sein», betont Bundesrat Ignazio Cassis.

Grosse Bedeutung der Mehrsprachigkeit – im In- und Ausland

«Rumantsch: in ferm toc Svizra» («Rätoromanisch: ein starkes Stück Schweiz») lautete das Motto der Woche. Die Schweiz besteht aus einer Vielzahl von Sprachen, Kulturen und Identitäten, die friedlich zusammenleben. Eine Schweizer Qualität, die auf der ganzen Welt gefragt ist. «Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass unser anerzogener Respekt vor anderen Sprachen und Kulturen ein Grund dafür ist, dass die Schweizer Diplomatie in der Welt geschätzt wird, dass wir gerne und oft als Brückenbauer hinzugezogen werden. Mit der grossen Sprachenvielfalt auf kleinem Raum sind wir ein Unikum in der Welt und entwickeln eine besondere Sensibilität», erklärt Bundesrat Ignazio Cassis. 

Einsatz für Minderheitssprachen

Bundesrat Cassis hat schon in seiner ersten Rede als Bundesrat betont, dass er sich für die Minderheiten einsetzen will, und nicht nur für Italienisch, sondern auch für Romanisch. Das Pflegen der Minderheitssprachen in der Schweiz gehört zum kontinuierlichen und strukturierten politischen Dialog, den der Vorsteher des EDA mit den Kantonen Graubünden und Tessin führt. «Ich bin zwar für die Aussenpolitik zuständig, aber ich bin als Bundesrat auch Teil der Landesregierung», legt Bundesrat Ignazio Cassis dar. Innenpolitik ist Aussenpolitik und umgekehrt: «Es gibt nicht eine Schweizer Diplomatie und eine innenpolitische Schweiz – es gibt nur eine Schweiz. Für mich ist es ganz wichtig, verschiedene Elemente ineinander zu verschränken, deshalb auch der Dialog mit dem Tessin und Graubünden.»

Wie geht es weiter mit der «Emna rumantscha»?

Für die Lancierung der ersten «Emna rumantscha» hat das EDA mit dem 20. Februar ein symbolisches Datum gewählt: Denn am 20. Februar 1938 wurde Rätoromanisch in einer Volksabstimmung offiziell als vierte Landessprache anerkannt. Den Auftakt der «Emna rumantscha» bildete ein Online-Event am 19. Februar, das ganz der vierten Landessprache gewidmet war und auf positive Resonanz stiess. Im Aussennetz mitgewirkt haben danach die Botschaften in Washington, Beijing, Rom und Antananarivo (Madagaskar), das Generalkonsulat in New York sowie die Konsulate in Atlanta, San Francisco, Chicago und in Vancouver.

Ab 2022 bildet die «Emna rumantscha» nun jeweils im Februar einen Fixpunkt im Kalender. «Die Diplomatinnen und Diplomaten sind begeistert und haben schon viele neue Ideen. Ich freue mich sehr, diese Reise fortzusetzen», sagt Bundesrat Ignazio Cassis gegenüber der «Südostschweiz» und kündigt an, dass die Botschafterkonferenz 2022 mit 200 Botschafterinnen und Botschaftern aus der ganzen Welt in Pontresina stattfinden wird.

Die Bundesverwaltung lanciert in Zusammenarbeit mit der Lia Rumantscha eine Kampagne zur Sensibilisierung für die rätoromanische Kultur und Sprache.

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