Eidgenössisches Departement für
auswärtige Angelegenheiten EDA

Privater Akteur unterstützt mit Fachwissen Umsetzung nachhaltiger Entwicklungsziele

Die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor ist für das Erreichen der Ziele der Agenda 2030 zentral. Deshalb setzt sich die Schweiz auch für eine verstärkte Zusammenarbeit multilateraler Organisationen mit dem Privatsektor ein. Seit seiner Lancierung im Februar 2019 wird der ABC Fonds des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung von einem Akteur mit Sitz in Genf verwaltet. Der ABC Fonds ermöglicht Kleinbauern sowie kleineren und mittleren Agrarunternehmen Zugang zu Kapital, damit sie ihre Produktion steigern können.

Ein Kakaoproduzent breitet Kakaobohnen zum Trocknen auf einer Plastikplane aus.

Die Investition des Agricultural Business Capital Fond in die Bauernkooporative Socak Katana in der Elfenbeinküste verbessert die Lebensbedingungen von über 2700 Kakaoproduzenten und ihrer Familien. © Bamboo Capital Partners

Weltweit ist es für die kleinbäuerliche Landwirtschaft sowie kleine und mittlere Agrarunternehmen, die ihre Produkte für den lokalen Markt verarbeiten, schwierig, Kapital für ihr Wachstum und die Steigerung ihrer Produktivität zu erhalten. Ein Hauptgrund dafür sind die überdurchschnittlich hohen Investitionsrisiken in diesem Sektor. Deswegen werden nur wenig private Investitionen in der Landwirtschaft getätigt, geschweige denn in die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Entwicklungsländern. Es wird geschätzt, dass Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Afrika, Asien und Lateinamerika rund 200 Milliarden USD benötigen, um ihre Produktion zu steigern. Ein solches Wachstum würde die Ernährungssicherheit und Gesundheit von Millionen von Menschen verbessern und Arbeitsplätze schaffen.

Hinzu kommt, dass vor allem in Entwicklungsländer immer mehr junge Menschen auf Arbeitssuche sind. Allein in Afrika kommen jedes Jahr 10 bis 12 Millionen junge Männer und Frauen auf den Arbeitsmarkt. Sie brauchen Jobs, Chancen auf Beschäftigung und eine Alternative zur Migration.

Um die Produktivität anzukurbeln, Einkommen und Lebensgrundlagen zu verbessern und um vor allem – namentlich für die Jugend und Frauen - Arbeitsplätze zu schaffen, sind Investitionen in ländliche KMU und lokale Agrarunternehmen unerlässlich.

Der ABC-Fonds der IFAD wird durch einen privaten Akteur verwaltet

Die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor ist für das Erreichen der Ziele der Agenda 2030 zentral, weshalb die Schweiz auch ihre prioritären multilateralen Organisationen für eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Privatsektor unterstützt, so auch den Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD). Ein Schweizer Akteur steht im Mittelpunkt, um der Finanzierungsproblematik entgegenzuwirken: Bamboo Capital Partners – ein «Social Impact Investor» mit Sitz in Genf. In enger Zusammenarbeit mit dem IFAD verwaltet die Firma den Agricultural Business Capital Fonds (ABC-Fonds). Seit Dezember 2019 können Kleinbauern erstmals von der Ausschüttung von Kapital aus diesem Fonds profitieren. Emanuele Santi, Fondsmanager des ABC-Fonds von Bamboo Capital Partners, erzählt, was dahintersteckt:

Portrait von Emanuele Santi
Emanuele Santi, Fondsmanager des ABC-Fonds von Bamboo Capital Partners © Bamboo Capital Partners

«Der ABC-Fonds ist ein Impact-Fonds, der Landwirtschaftsakteuren in Entwicklungsländern eine Finanzierung bietet. Der Fonds setzt in erster Linie Darlehen, aber auch Kapitalbeteiligungen zur Unterstützung von Bauernorganisationen, ländlichen KMU und Finanzinstitutionen in Entwicklungsländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ein, die sorgfältig ausgewählt wurden. Um Unterstützung zu erhalten, müssen die Agrarunternehmen und Institutionen ein hohes Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen gewährleisten. Zudem treiben sie auch die soziale Entwicklung in ihren Gemeinden und Länder voran.

«Dragon Farming»: Investition in Sojabohnen

Ein konkretes Beispiel dafür ist unsere jüngste Investition in «Dragon Farming», ein Unternehmen in Ghana, das rohe Sojabohnen zu Sojabohnenmehl, Vollfett-Soja und Sojaöl verarbeitet. «Dragon Farming» hat es sich zur Aufgabe gemacht, innovative und ökologisch nachhaltige Produkte für die Ernährung von Nutztieren im Land und darüber hinaus anzubieten.

Das Darlehen des ABC-Fonds ermöglicht es «Dragon Farming», seine Aktivitäten auszuweiten, um die Kundennachfrage zu befriedigen und die Menge der von Bauernorganisationen gekauften Sojabohnen zu erhöhen. Die gesteigerte Produktionsmenge ermöglicht es rund 14’000 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, rohe Sojabohnen an das Unternehmen zu verkaufen. Das Darlehen senkt die Produktionskosten des Unternehmens und erhöht gleichzeitig seine Rentabilität. Die Investition in das Unternehmen erlaubt es zudem, die Zahl der Beschäftigten, einschliesslich der weiblichen Arbeitnehmer, aufgrund der grösseren Menge der zu verarbeitenden Sojabohnen zu erhöhen. Zusätzlich zu dem Darlehen erhält «Dragon Farming» technische Hilfe, um seine Strategie, Geschäftsentwicklung und Produktionsprozesse weiter zu stärken. 

Eine gemeinsam getragene Agenda

Wir arbeiten seit vielen Jahren mit UNO-Organisationen wie IFAD und öffentlichen Gebern wie der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA zusammen, um einen Beitrag zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der Agenda 2030 (SDGs) zu leisten. Als Vertreter der Privatwirtschaft bringt Bamboo Capital Partners die Markterschliessungsexpertise und Investitionskapital ein. Als Impact-Investor arbeiten wir auf die Erreichung derselben Ziele – insbesondere die SDGs – wie die DEZA oder andere öffentliche Geberorganisationen:

  • Armutsbekämpfung
  • Schaffung von Arbeitsplätzen
  • Gleichstellung der Geschlechter
  • ökologisch nachhaltige Landwirtschaft
  • klimaschonende Nahrungsmittelproduktion

Die DEZA unterstützt den IFAD, den Hauptinitiator des Fonds, mit einem einmaligen Zuschuss von 9,3 Millionen CHF dabei, sich am ABC-Fonds zu beteiligen. Der Fonds baut seinerseits auf die landwirtschaftlichen Netzwerke und länderspezifischen, regionalen und globalen Programme des IFAD oder Bamboo Capital Partners und schafft Synergien, welche die Wirkung und die Effizienz des Fonds steigern. 

Ein nachhaltiger Beitrag mit Potenzial für die Zukunft

Seit 2007 hat Bamboo Capital Partners in mehr als 30 Schwellen- und Grenzmärkte investiert und dadurch 184 Millionen Menschenleben positiv beeinflusst.
Emanuele Santi, Fondsmanager des ABC-Fonds von Bamboo Capital Partners

Bamboo Capital Partners ist eine Investitionsplattform, die innovative Finanzierungslösungen für Unternehmen in aufstrebenden Märkten anbietet. Mit unseren Investitionen werden wir den Bedürfnissen von Bevölkerungsgruppen mit niedrigem und mittlerem Einkommen gerecht und erzielen dadurch eine nachhaltige Wirkung. Wir überbrücken die Lücke zwischen Gründungs- und Wachstumsfinanzierung durch eine ganze Reihe von Finanzierungsoptionen – von Fremd- bis zu Eigenkapital – die wir einseitig oder durch strategische Partnerschaften aktivieren. Seit 2007 hat Bamboo Capital Partners in mehr als 30 Schwellen- und Grenzmärkte investiert 184 Millionen Menschenleben positiv beeinflusst. Bamboo Capital Partners hat ein einzigartiges Fachwissen, um das Leben der am stärksten marginalisierten Gemeinschaften der Welt zu verbessern und gleichzeitig finanzielle Erträge zu erzielen.

Der ABC-Fonds stellt für den öffentlichen und den privaten Sektor eine wichtige Möglichkeit der Zusammenarbeit dar. Durch den Fonds stellt der öffentliche Sektor Mittel für die kleinbäuerliche Landwirtschaft sowie Agrar-KMU zu Verfügung, die unter dem Marktniveau liegen. Dies ermöglicht es, die Gesamtkapitalkosten und das Investitionsrisiko zu senken, um auch mehr private Investoren anzuziehen. Das Geld wird auf nachhaltige Weise eingesetzt, um Menschen und Organisationen zu helfen, die sonst oft an der traditionellen Finanzierung scheitern. Die Nutzung öffentlicher Ressourcen mit dem Fachwissen des privaten Sektors zu verbinden hat auch für die Zukunft Potenzial.»

«Ziele der IZA sind ohne öffentlich-private Entwicklungspartnerschaften nicht zu erreichen»

Die Strategie der internationalen Zusammenarbeit (IZA) der Schweiz misst dem Privatsektor eine hohe Bedeutung zu. Er spielt eine zentrale Rolle bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und der nachhaltigen Entwicklung. Er kann der wirtschaftliche Motor sein, der einen Weg aus der Armut bietet. Die Innovationskraft des Privatsektors, seine Fachkenntnisse, seine Vertriebskanäle, seine Investitionsmöglichkeiten und sein Potenzial im Berufsbildungsbereich sind zur Umsetzung der IZA wichtig. Das Beispiel von IFAD und dem ABC Fund zeigt, wie die Schweiz in Entwicklungsländern den lokalen Privatsektor fördert. Christian Frutiger, Leiter der Globalen Zusammenarbeit der DEZA, erzählt im Interview, was sich die DEZA und ihr Globalprogramm Ernährungssicherheit von dieser Zusammenarbeit verspricht.

 

Portrait von Christian Frutiger
Christian Frutiger, Leiter der Globalen Zusammenarbeit der DEZA. © Keystone
Wie wichtig ist für die DEZA eine Firma wie Bamboo Capital Partners?

Die DEZA setzt sich für eine verstärkte und innovative Zusammenarbeit des IFAD mit dem Privatsektor ein. Der Agri-Business Capital Fund (ABC) Fund ist das ‘Vorreiter’-Instrument des IFAD zur Umsetzung der neuen Privatsektor Strategie dieser UNO-Agentur und der effizienten Zusammenarbeit mit dem Privatsektor.

Der ABC Fonds wurde von IFAD ins Leben gerufen, von der Schweiz, Luxemburg und der Europäischen Union kapitalisiert und wird von professionellen Impakt-Investoren verwaltet. Er investiert in kleine und mittlere Unternehmen im landwirtschaftlichen Bereich, deren Kapitalbedarf ‘in der fehlenden Mitte’- zu gross für Mikrofinanzinstitutionen und zu klein für den Geschäftsbankensektor- ist. Dadurch können sich lokale KMUs zu starken mittelständischen Unternehmen entwickeln.

Für die Verwaltung eines solchen komplexen Fonds braucht es spezifische Finanz- und Marktkenntnisse. Mit der Zusammenarbeit mit Bamboo Capital Partners wird daher eine professionelle Verwaltung des ABC Fonds sichergestellt.

Was sind die Ziele der DEZA im Bereich Ernährungssicherheit?

135 Millionen Menschen waren 2019 von akuter Nahrungsmittelunsicherheit betroffen, der höchste Wert seit vier Jahren.

Durch das Globalprogramm Ernährungssicherheit trägt die DEZA dazu bei internationale und regionale Politiken im Bereich Ernährungssicherheit wie auch Ernährungsweisen zu verbessern. Dies reicht vom Recht auf Nahrung bis zu den Rechten von Bäuerinnen und Bauern. Internationale Normen, und institutionelle und technische Innovationen, die effiziente, nachhaltige, agrarökologische und widerstandsfähige Ernährungssysteme begünstigen, stehen hierfür im Mittelpunkt. Konkret werden basierend auf Schweizer Expertise sowie den Projekterfahrungen der DEZA u.a. die internationale Agrarforschung, der Austausch neuer Technologien, verantwortungsvolle Investitionen sowie die landwirtschaftliche Biodiversität gefördert.

Über ihren Beitrag zum ABC Fund trägt die DEZA zur Stärkung der Ernährungssicherheit bei, fördert ökologisch nachhaltige Anbaumethoden und schafft Einkommen und Beschäftigung für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und die ländliche Bevölkerung.

Wäre es ohne private Partnerorganisationen möglich, die Ziele der IZA zu erreichen?

Die Weltgemeinschaft hat in ihrer Addis Abeba Aktionsagenda im Juli 2015 klar bekräftigt, dass ohne die Expertise und das Kapital des Privatsektor die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung nicht erreichbar ist.

Folglich sind die Ziele der IZA ohne öffentlich-private Entwicklungspartnerschaften nicht zu erreichen. Wie vom Parlament und Bundesrat seit längerem gefordert, strebt die DEZA vermehrt Partnerschaften mit dem Privatsektor an um ihre Ziele zu erreichen.

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