Schweiz unterstützt Südsudan beim Aufbau einer Zentralbank

Bern, Medienmitteilung, 18.02.2011

Als künftig souveräner Staat muss der Südsudan im finanzpolitischen Bereich Institutionen aufbauen und das benötigte Knowhow erlangen. Die Schweiz unterstützt dieses Ziel; sie hat bereits verschiedentlich technische Expertise in den Bereichen „Staatsvermögen und Schulden“ bzw. „Bankwesen und Währungsfragen“ vermittelt. Diese Woche führten die Schweizerische Nationalbank (SNB) und das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) erneut einen Workshop für südsudanesische Fachleute und hochrangige Regierungsvertreter durch.

Vom 15. bis 17. Februar fand in Zürich ein Workshop für 14 südsudanesische Entscheidungsträger im Bereich Banken- und Finanzwesen statt. Unter den Teilnehmern waren auch Kulturminister Gabriel Changson Chang, Chef des südsudanesischen Verhandlungsteams “Bankwesen und Währung“, der Minister für Finanz- und Wirtschaftsplanung, David Deng Athorbei, sowie die Ministerin für Human Resource-Entwicklung, Mary Jervas Yak. Das Ausbildungs- und Diskussionsseminar beruhte auf einer offiziellen Anfrage der südsudanesischen Regierung an die Schweiz und hatte zum Ziel, das nötige Wissen sowie technische und juristische Beratung im Bereich des Aufbaus einer Zentralbank zu vermitteln.

Fachleute der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und des Büros des Sonderbeauftragten für den Sudan und das Horn von Afrika des EDA erarbeiteten mit der südsudanesischen Delegation Lösungsansätze für eine Reihe von Fragen. Erörtert wurden unter anderem das Mandat und die Aufgaben einer künftigen südsudanesischen Zentralbank, Bedürfnisse und Auswirkungen verschiedener Varianten, der Entwurf eines Zentralbankgesetzes, die Unabhängigkeit der Zentralbank, die Schritte des Implementierungsplans und allfällige ausländische Unterstützung. 

Über die Erfahrungen anderer Länder referierten die ehemaligen Gouverneure der Zentralbanken von Serbien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro. Unter den externen Teilnehmern und Referenten des Workshops waren zudem Vertreter von IWF, Weltbank, staatlichen Fonds und Consulting-Unternehmen. Bestandteil des Workshops war im Hinblick auf die Schaffung einer eigenen Währung auch ein Besuch der Produktionsstätte für Banknoten der Firma Orell Füssli AG.

Die Veranstaltung reiht sich ein in die Bemühungen der Schweiz zur friedlichen Beilegung des Konflikts in Sudan. Seit Oktober 2010 unterstützt die Schweiz die laufenden Verhandlungen für die Zeit nach dem Unabhängigkeitsreferendum vom vergangenen Januar. Auf Wunsch der Verhandlungsparteien hat die Schweiz bereits mehrere Expertisen erstellt. Zu den Verhandlungsgegenständen gehören auch die Aufteilung der Staatsvermögen, der Güter und der Schulden der Zentralregierung in Khartum sowie der Aufbau einer Zentralbank und die Schaffung einer eigenen Währung für den Südsudan. Für die Stabilisierung der Friedensordnung sind eine zuverlässige Zentralbank-Institution und eine abgesprochene Währungspolitik unerlässlich. 

Aufgrund des „Umfassenden Friedensabkommens“ (Comprehensive Peace Agreement, CPA) zwischen der Zentralregierung in Khartum und Südsudan vom Januar 2005 konnte sich die südsudanesische Bevölkerung nach sechs Jahren mittels eines Referendums für eine Abspaltung vom Norden aussprechen. Dieses lang erwartete Sezessionsreferendum fand planmässig zwischen dem 9. und 15. Januar 2011 statt. Eine überwältigende Mehrheit von 98,83% der rund 3,8 Millionen Stimmenden sprach sich für die Abspaltung aus. Bis zur definitiven Unabhängigkeit steht Südsudan vor grossen Aufgaben. Die zurzeit grösste Herausforderung sind die Post-Referendums-Verhandlungen mit dem Norden, die bestimmen sollen, wie die beiden Länder künftig nebeneinander existieren und zusammenarbeiten werden.

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