Dritte Weltklimakonferenz in Genf beschliesst ein weltweites Netzwerk von Klimainformationen

Bern, Medienmitteilung, 03.09.2009

Die dritte Weltklimakonferenz von Genf hat am 3. September 2009 die Schaffung eines globalen Netzwerks für Klimainformationen und -dienstleistungen beschlossen. Das globale Netzwerk (Global Framework for Climate Services) soll gemäss Deklarationstext "die Herstellung, Zugänglichkeit, Übermittlung und Anwendung von wissenschaftsbasierten Klimaprognosen und -dienstleistungen stärken". Die Konferenz vom 31. August bis 4. September brachte mehr als 2500 Klimawissenschafter, Experten und Entscheidträger zusammen.

Die Schaffung eines weltweiten Netzwerks für Klimainformationen ist festgehalten in einer Ministerdeklaration, die am 3. September 2009 in Genf angenommen wurde. Hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus über 150 Ländern unterstützten die Annahme der Deklaration. Das Ministertreffen im Rahmen der dritten Weltklimakonferenz (WCC-3) der UNO-Weltorganisation für Meteorologie (WMO) wurde geleitet von Bundesrat Moritz Leuenberger als Vertreter des Gastlandes Schweiz und Armando Emilio Geubuza, Präsident von Mozambique.

"Der heutige Tag ist ein Meilenstein in den Bestrebungen, Klimainformationen für alle Menschen zugänglich zu machen", sagte Michel Jarraud, Generalsekretär der WMO, welche die WCC-3 zusammen mit Partnern - darunter die Schweiz - organisiert hatte. "Wir stehen jedoch erst am Anfang der Arbeiten, welche zum Ziel haben, ein stabiles und verlässliches Netzwerk aufzubauen, das den Zugang sicherstellt zu benutzerfreundlichen Informationen für alle Sektoren." Gemäss Jarraud "muss das globale Netzwerk weit über die Konferenz in Genf und jene von Ende Jahr in Kopenhagen hinausgehen. Die Gesellschaft wird die Klimainformationen benötigen, um sich an den bereits eingetretenen Klimawandel anzupassen. Nichtsdestotrotz müssen wir weitere Schritte unternehmen, um den Ausstoss von Klima schädigenden Treibhausgasen zu vermindern."

"Die dritte Weltklimakonferenz in Genf ist eine ideale Verbindung zwischen der Wissenschaft und den UNO-Klimaverhandlungen von Kopenhagen Ende 2009", sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon an der Eröffnung des Ministertreffens. "Wissenschaftliche Erkenntnisse sind die Basis für die weltweite Klimapolitik in den Bereichen Vermeidung von Treibhausgasen und Anpassung an den Klimawandel. Das Global Framework for Climate Services ist ein grosser Schritt vorwärts, um die Anpassungsbemühungen zu unterstützen und Entscheidungsträgerinnen und -trägern die Anwendung von Klimavorhersagen auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler ermöglichen", sagte Ban Ki-moon weiter.

Leuenberger: „Das Netzwerk schlägt eine Brücke"

Bundesrat Moritz Leuenberger, Ko-Vorsitzender des Ministertreffens, betonte: "Das Netzwerk gibt uns ein Instrument in die Hand für eine bessere Anpassung an den Klimawandel. Es schlägt eine Brücke zwischen der Wissenschaft, Experten sowie Nutzerinnen und Nutzern in den verschiedensten Wirtschafts- und Gesellschaftssektoren rund um die Welt." Er zeigte sich erfreut, dass die Schweiz als Gastgeberland einen entscheidenden Beitrag zur Annahme der Ministerdeklaration leisten konnte, damit beispielsweise Bäuerinnen in Afrika, Wasserkraftbetreiber in den Alpen, humanitäre Organisationen in Südamerika oder Naturgefahrenspezialisten in China künftig die benötigten Informationen finden und anwenden können.

"Der Klimawandel ist ein weltweites Problem und betrifft alle Menschen in unterschiedlicher  Ausprägung", sagte Armando Emilio Geubuza, Präsident von Mozambique und Ko-Vorsitzender des Ministersegments. "Hitzewellen und Überschwemmungen, die auch entwickelte Länder treffen, zeigen, dass kein Land vor dem Klimawandel gefeit ist. Der Klimawandel und Klimaschwankungen sind ein grosses Hindernis für die Erreichung der UNO-Milleniumsziele zur Bekämpfung der Armut. Auch das ist ein Grund, warum wir jetzt handeln müssen; morgen ist es vielleicht zu spät."

"Deshalb ist die breite Unterstützung des globalen Netzwerks sehr wichtig. Indem die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer auf die Möglichkeiten der Vermittler von Klimainformationen abgestimmt werden, helfen wir mit, künftigen Generationen die Anpassung an den leider bereits unvermeidlichen Klimawandel zu erleichtern."

"Das globale Netzwerk für Klimainformationen und -dienstleistungen will Klimabeobachtungen und -vorhersagen weiter verstärken und diese in sektorspezifische Produkte und Anwendungen umwandeln", sagte Alexander Bedritsky, Präsident der WMO. Die über 1500 Wissenschafterinnen und Wissenschafter sowie Expertinnen aus verschiedensten Wirtschafts- und Gesellschaftssektoren, die am Expertentreffen vom 31. August bis 2. September 2009 der WCC-3 teilnahmen, unterstützten die Schaffung eines Global Framework for Climate Services und riefen dazu auf, unter anderem folgende drei unerlässliche Elemente zur berücksichtigen:

  • Das bestehende weltweite Klimabeobachtungssystem, welches den Austausch und den Zugang zu Klimadaten unterstützen kann;
     
  • Das weltweite Klimaforschungsprogramm, ausgerüstet mit genügend technischen Mitteln und einem verbesserten Austausch zwischen anderen weltweiten Klimaforschungsprogrammen;
     
  • Effiziente und nachhaltige Ausbildung der Anwenderinnen und Anwender und vermehrte Kommunikationsanstrengungen.

Die Ministerdeklaration beauftragt den WMO-Generalsekretär innerhalb von vier Monaten nach Annahme der Deklaration ein Treffen mit den Mitgliedstaaten der WMO einzuberufen, um eine Taskforce einzusetzen, bestehend aus hochrangigen und unabhängigen Mitgliedern. Diese Taskforce soll innerhalb eines Jahres unter Mitwirkung von Regierungen, Partnerorganisationen der WMO und relevanten Anspruchsgruppen einen Bericht erarbeiten, der aufzeigt, wie das Global Framework entwickelt und umgesetzt werden soll. Dieser Bericht soll am WMO-Kongress 2011 vorliegen.

Anlässlich der heutigen Eröffnung des Ministersegments sprach auch Rajendra Kumar Pachauri, Vorsitzender des Weltklimarats der Vereinten Nationen (Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC) und Co-Gewinner des Friedensnobelpreises 2007. Er betonte, dass eine Begrenzung der Klimaerwärmung auf höchstens 2 Grad Celsius unerlässlich sei, damit das Klimasystem nicht ausser Kontrolle gerät. Aber auch wenn dieses Ziel erreicht werde, stiegen aufgrund der Erwärmung die Meeresspiegel an und Millionen von Menschen in Küstengebieten und Deltas seien davon betroffen. Um die Erwärmung auf höchstens 2 Grad Celsius zu begrenzen, müsse spätestens ab 2015 der Treibhausgas-Ausstoss deutlich sinken. Anderseits sei aber auch die Anpassung an bereits stattfindenden Klimawandel unerlässlich für die Gesundheit, die Landwirtschaft, die Beschäftigungs- und Energiesicherheit. Pachauri betonte: "Sogar wenn wir unseren Treibhausgas-Ausstoss heute auf Null reduzierten, wandelt sich wegen der Trägheit des Klimasystems das Klima. Für die Weltgemeinschaft sind deshalb Anpassungsmassnahmen unabdingbar, vor allem in den verletzlichsten Regionen der Welt."

Kontakt zur WCC-3: Communications and Public Affairs der WMO

  • Frau Carine Richard-Van Maele, Chefin, Tel.: +41 (0) 22 730 8314/15,
    E-Mail: cvanmaele@wmo.int (Sprecherin der WCC-3)
  • Frau Marie Heuzé, Special Advisor, Tel.: +41 (0) 22 730 8478,
    E-Mail: mheuze@wmo.int (Koordination United Nations)
  • Frau Lisa Muñoz, WCC-3 Presseverantwortliche, Tel.: +41 (0) 22 730 8213,
    E-Mail: lmunoz@wmo.int (Allgemeine Anfragen und besondere Veranstaltungen)
  • Frau Gaelle Sevenier, Presseverantwortliche, Tel.: +41 (0) 22 730 84 17,
    E-Mail: gsevenier@wmo.int (Anfragen für Interviews und Pressekonferenzen)
  • Kosmos Akande-Alasoka, Public Information Officer, Tel.: +41 (0) 22 730 80 97,
    E-Mail: kakande-alasoka@wmo.int (audiovisuelle Anfragen)


Weiterführende Informationen

WCC-3 HIGH-LEVEL DECLARATION
Speech of Federal Councillor Moritz Leuenberger
31.08.2009 - Klimainformationen für alle verfügbar machen
Website WCC-3
Bafu-Thema: Klima


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Adrian Aeschlimann, (Sprecher der Schweizer Delegation), Leiter Mediendienst im Bundesamt für Umwelt (BAFU) Tel.: +41 (0) 79 277 51 83


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