Religion, Politik, Konflikte

Eine Gruppe von demonstrierender Menschen.
Proteste von Einheimischen gegen den Bau eines dreissig-Meter Teleskops durch eine internationale Forschungsgruppe auf dem heiligen Berg Mauna Kea in Hawaii. © Keystone SDA

Die Schweiz schenkt in ihrer Friedenspolitik dem Themenbereich Religion, Politik, Konflikte besondere Beachtung. Denn: Über 80 Prozent der Menschen weltweit identifizieren sich mit einer Religion, die viele Aspekte des persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Lebens prägt. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Weltanschauungen und Religionen kann Spannungen schüren und in Konflikten eine entscheidende Rolle spielen.

Der Anteil der bewaffneten Auseinandersetzungen, bei denen Religion eine Rolle spielt, hat sich in den letzten 40 Jahren verdoppelt – von einem Drittel 1975 zu zwei Dritteln 2017. Die Gründe dafür liegen nicht in erster Linie bei der Religion, sondern im Aufeinandertreffen unterschiedlicher Weltbilder. 

Nicht Dogmen, sondern konkrete Lösungen stehen im Vordergrund

In ihrer friedenspolitischen Arbeit steht die Schweiz den verschiedenen religiösen Traditionen wertneutral gegenüber. Daher liegt das Augenmerk der Schweiz nicht auf der Diskussion von Weltbildern und religiösen Prinzipien. Im Zentrum ihrer Bemühungen steht das Finden von konkreten Lösungen, welche zur Abkehr von Gewalt führen und das friedliche Zusammenleben zwischen Menschen mit unterschiedlichen Religionen und Weltanschauungen erlauben. Konkrete Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten fördert die Vertrauensbildung zwischen und innerhalb von Gruppen und ist ein zentraler Baustein der Konfliktlösung.

Die Schweiz bezieht alle dialogbereiten Gruppen mit ein

Die Schweiz ist überzeugt, dass die Ausgrenzung aus dem Politikprozess junge und ältere Menschen empfänglich für undemokratische Mittel macht. Darum bemüht sie sich, alle dialogbereiten gesellschaftlichen Kräfte inklusive religiös-politischer Gruppierungen an der Gestaltung ihrer Gesellschaft und der Suche nach friedlichen Konfliktlösungen miteinzubeziehen. 

Partnerschaften und Arbeitsfokus

Die Schweiz arbeitet bei ihren friedenspolitischen Projekten im Themenbereich Religion, Politik, Konflikte eng mit Universitäten, Nichtregierungsorganisationen, religiösen Gemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Gruppen zusammen. Aktuell unterstützt sie friedensfördernde Projekte mit religiösen Dimensionen in Irak, Israel, Mali, Nigeria und Thailand.

Darüber hinaus fördert sie die Professionalisierung im Bereich Religion und Mediation durch ein regelmässiges Angebot an Schulungen (siehe Kasten) wie auch der Unterstützung von Fach- und politikrelevanten Publikationen. 

Ausbildungsangebot

Der Arbeitsbereich «Religion, Politik, Konflikte» der Abteilung Menschliche Sicherheit im EDA bietet in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Sicherheitsstudien der ETH Zürich, CSS, jährlich einen Kurs zum Thema «Religion und Mediation» an. Partner sind das finnische Aussenministerium sowie das Netzwerk für religiöse und traditionelle Friedensvermittlung (Network for Religious and Traditional Peacemakers). Der fünftägige Kurs richtet sich an Personen, die in der Friedensförderung und Vermittlung in religiös geprägten Konflikten arbeiten. Seit 2015 bietet das EDA auf Anfrage der UNO diesen Kurs auch für UNO-Mitarbeitende in New York an.

Training in Religion und Mediation (PDF, 544.1 kB, Englisch)