Prävention von gewalttätigem Extremismus (PVE)

Ein Graffiti als Friedensappell während Ausschreitungen in Nairobi © Frederic Courbet/Panos

Die Prävention von gewalttätigem Extremismus (PVE) gehört zu den aussenpolitischen Prioritäten der Schweiz. Sie ist Teil des Schweizer Engagements für Frieden und menschliche Sicherheit. Mit einem aussenpolitischen Aktionsplan zur Prävention von gewalttätigem Extremismus (April 2016) will das EDA seine Partner darin unterstützen, dem gewalttätigen Extremismus den Nährboden zu entziehen, und die Bestrebungen zum Aufbau friedlicherer Gesellschaften weltweit fördern. Dabei stellt sie den Dialog ins Zentrum der Prävention.

Menschliche Sicherheit und Gewaltprävention

Prävention bedeutet, zu akzeptieren, dass Gewalt in unseren Gesellschaften entsteht, zu verstehen, weshalb sie entsteht, und bei ihren Ursachen anzusetzen.

Die Schweiz engagiert sich dafür, dass die direkten und strukturellen Ursachen des gewalttätigen Extremismus beseitigt werden. Denn: Viele, vor allem jüngere Menschen wenden sich dem gewalttätigen Extremismus zu, weil sie politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich und kulturell ausgegrenzt werden und weil ihre Menschenrechte missachtet werden.

Prävention von gewalttätigem Extremismus heisst für die Schweiz, ihre Friedens- und Menschenrechtspolitik weiter zu verstärken und den inklusiven Dialog als Hauptinstrument der Gewaltprävention zu fördern. Sie stützt sich dabei auf die Erfahrung ihres Kompetenzzentrums und ihrer Expertinnen und Experten in den Bereichen Konfliktmanagement, Mediation, Demokratisierung und politische Partizipation.

Im Kontext extremer Gewalt geht es nicht darum, Sicherheit zu gewährleisten, sondern darum, innerhalb von Gesellschaften eine menschliche Sicherheit aufzubauen, die den Bedürfnissen nach Zugehörigkeit und Frieden entspricht.

Einbindung aller Betroffenen zur Förderung eines inklusiven Dialogs

Auf bilateraler Ebene unterstützt die Schweiz verschiedene Staaten bei der Entwicklung einer öffentlichen PVE-Politik (z. B. Libanon, Senegal, Tunesien und Togo). Sie fördert auch Arbeitsmethoden, die den Multi-Stakeholder-Dialog begünstigen.

Die Schweiz arbeitet eng mit der Zivilgesellschaft zusammen. Im Vordergrund stehen die Frauen und die Jugend. Sie sind nicht nur Opfer oder Täter des gewalttätigen Extremismus, sondern auch wichtige Partnerinnen und Partner in der Prävention. Mit konkreten Projekten und Programmen, zum Beispiel im Libanon und in Tunesien, setzt sich die Schweiz gegen soziale, politische und wirtschaftliche Ausgrenzung ein und fördert den inklusiven Dialog und die Achtung der Menschenrechte.

So unterstützte sie zwischen 2017 und 2020 im Rahmen von Partnerschaften mit International Alert und der lokalen Organisation Beder Projekte in Tunesien, um die lokalpolitische Teilhabe junger Menschen in den benachteiligten Stadtvierteln Ettadhamen und Douar Hicher (Tunis) sowie in der Gemeinde Jendouba zu fördern. 

Projekt zur Einbindung Jugendlicher in die Quartierpolitik in Tunis (en)

Das EDA fördert die Beteiligung von Frauen nicht nur bei lokalen Projekten, sondern auch im Rahmen von Gleichstellungs- und Menschenrechtsstrategien. So unterstützt das EDA beispielsweise das jährliche PVE-Forum der Women’s Alliance for Security Leadership (WASL).

Internationales Aktionsnetzwerk der Zivilgesellschaft – ICAN – Für Frauenrechte, Frieden und Sicherheit (en)

Women's Alliance for Security Leadership (en)

«Regionale Gespräche zur Prävention des gewalttätigen Extremismus in Afrika» und internationale Zusammenarbeit

2016 lancierte die Schweiz zusammen mit verschiedenen Partnern die Initiative «Regionale Gespräche zur Prävention des gewalttätigen Extremismus in Afrika». Sie bietet einen Raum für Dialog und Austausch über die Herangehensweise im Präventionsbereich, stärkt die Vernetzung eines grossen Kreises von Akteuren und stellt positive Initiativen aus Nord- und Westafrika, der Sahelzone und Zentralafrika heraus, die konkrete Alternativen zum gewalttätigen Extremismus bieten. An der Initiative beteiligten sich bisher bereits mehr als 1000 Personen mit unterschiedlichem fachlichem Hintergrund. In Dakar, N'Djamena, Algier, Ouagadougou, Bangui, Yaoundé und Abidjan fanden regionale Treffen statt, in New York, Genf und Dakar wurden öffentliche Rundtischgespräche durchgeführt.

Gemeinsam mit ihrem Partner, dem Afrikanischen Studien- und Forschungszentrum für Terrorismus (CAERT) der Afrikanischen Union entwickelte die Schweiz ein PVE-Ausbildungsprogramm für die Mitgliedstaaten.

Initiative «Regionale Gespräche zur Prävention des gewalttätigen Extremismus in Afrika» (begonnen 2016) (en, fr) (PDF, 827.2 kB, mehrsprachig: Französisch, Englisch)

Schliesslich unterstützt die Schweiz die PVE-Diskussion auch im Rahmen internationaler Organisationen wie der UNO, der OSZE, der Internationalen Organisation der Frankophonie und der Afrikanischen Union. Sie setzt auch auf das internationale Genf, das einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit sowie zur Prävention von Konflikten und gewalttätigem Extremismus leistet.