Partnerschaften mit dem Privatsektor: Wirkung der Zusammenarbeit stärken

Um die ehrgeizigen Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, sind alle Teile der Gesellschaft in allen Ländern gefordert. Dazu gehört auch der Privatsektor. Auch in armen und aufstrebenden Ländern haben private Unternehmungen und Organisationen eine entscheidende Wirkung auf die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung. Partnerschaften mit privaten Unternehmen zur Umsetzung von Entwicklungsprojekten erlauben es der DEZA, ihre Entwicklungsziele wirksamer zu erreichen.

Staatliche Entwicklungszusammenarbeit allein reicht nicht aus, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern anzukurbeln und die Armut zu reduzieren. Die Privatwirtschaft hat dabei (zusammen mit der ebenfalls wichtigen Zivilgesellschaft) eine entscheidende Rolle. Selbst in den ärmsten Ländern werden neun von zehn Arbeitsplätzen im Privatsektor geschaffen. Private Unternehmen sind sich bewusst, dass ein stabiles internationales und nationales Umfeld zur Erreichung ihrer Unternehmensziele unabdingbar ist. Auch wenn sich diese von den Entwicklungszielen öffentlicher Akteure wie der DEZA unterscheiden, so besteht doch oft eine große Übereinstimmung der Interessen: gute Gouvernanz, Rechtsstaat, Frieden und Sicherheit, gesunde und gut ausgebildete Arbeitskräfte, leistungsfähige Infrastruktur, sauberes Wasser, etc. Diese gemeinsamen Interessen bilden meistens die Grundlage für die Projektpartnerschaften zwischen der DEZA und Schweizer Unternehmen.

Unternehmen bringen spezifische Expertise ein

Die DEZA hat rund 60 solche Projektpartnerschaften mit privaten Unternehmen (Stand Ende 2019). Bei den Partnern handelt es sich meist um mittlere und größere Schweizer Unternehmen, die über spezifische Expertise verfügen, welche für die Erreichung der konkreten Entwicklungsziele des Projekts (Ernährungssicherheit, Verringerung des Wasserverbrauchs in der Landwirtschaft oder des CO2-Ausstoßes in der Zementproduktion, etc.) relevant ist.

Ein Beispiel aus der Versicherungsbranche kann dies veranschaulichen: Der Klimawandel führt zunehmend zu unvorhersehbaren Ernteausfällen durch Trockenheit oder Naturkatastrophen. Die DEZA unterstützt arme Kleinproduzentinnen und –produzenten dabei, ihre Widerstandskraft gegen solche Ereignisse zu stärken. Versicherungen haben ihrerseits das Interesse, dass ihre Expertise in der Schadensverminderung und der Schadensdeckung nutzbringend eingesetzt wird. Aufgrund dieser gemeinsamen Interessen mit Versicherungsunternehmen ist es der DEZA schon wiederholt gelungen, im Bereich Ernteausfall-Versicherung zu wirksamen Lösungen beizutragen, die im Sinn eines Win-Win in erster Linie den Kleinbauern in den Partnerländern dienen. Ähnliche Kooperationen bestehen im Bereich der Gesundheit, z.B. zur Entwicklung von Medikamenten gegen Tropenkrankheiten.

DEZA kennt lokale Kontexte vor Ort

In allen Fällen geht es darum, Ressourcen, Innovationskraft und Netzwerke des Privatsektors zu mobilisieren, um die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Finanzierungsaspekte sind bei solchen Partnerschaften für die DEZA, wenn überhaupt, von untergeordneter Bedeutung. Der Mehrwert der DEZA besteht vielmehr in der Kenntnis des jeweiligen Kontextes vor Ort, der Fähigkeit, Türen zu öffnen und durch ihren guten Ruf Vertrauen unter den Projektpartnern zu schaffen.

Stärkung des lokalen Privatsektors

Über diese Projektpartnerschaften mit Schweizer Unternehmen hinaus, rücken in jüngerer Zeit vermehrt auch neue Möglichkeiten ins Blickfeld, Entwicklungsziele direkt über die Finanzierung von lokalen Unternehmungen zu erreichen. Im Vordergrund stehen Darlehen, Beteiligungen und Garantien. Dieser Ansatz hat verschiedene Vorteile: Er erlaubt, direkt auf die privatwirtschaftliche Dynamik der Unternehmen selber aufzubauen und damit den lokalen Privatsektor zu stärken. Zudem können im Erfolgsfall dieselben öffentlichen Mittel mehrmals eingesetzt werden.

Erste Erfahrungen mit solchen – für die DEZA neuen – Finanzierungsinstrumenten wurden bereits gemacht. Die Erkenntnis daraus ist, dass solche Instrumente einerseits ein großes Entwicklungspotential haben, anderseits aber auch mit Augenmaß eingesetzt werden müssen, sind sie kontextbedingt doch oft mit größeren Risiken verbunden. Für den Ausbau dieser Tätigkeiten hat die DEZA deshalb bis zur Klärung der dafür notwendigen internen und externen Kompetenzen ein Moratorium für neue Projekte beschlossen. Die eingangs erwähnten, traditionellen Projektpartnerschaften sind davon nicht betroffen.