Freiwillige Rettungshelfer in marokkanischen Quartieren

Projekt abgeschlossen
Eine Gruppe von freiwilligen Helferinnen und Helfer verteilt information und Material in einer Gasse
In den engen Altstadtgassen kann die Bevölkerung mit einem raschen Einsatz Leben retten. © DEZA ©

In einem Land wie Marokko, wo Naturereignisse schwere Schäden verursachen können, ist rasche Nothilfe entscheidend, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten. Um solche Situationen besser bewältigen zu können, setzen verschiedene marokkanische Städte auf ihre eigenen Einwohnerinnen und Einwohner, die das Rettungsdispositiv bei einer Katastrophe verstärken. Die DEZA unterstützt diesen Ansatz und beteiligt sich an der Ausbildung der freiwilligen Rettungshelferinnen und -helfer.

Land/Region Thema Periode Budget
Marokko
Klimawandel & Umwelt
Humanitäre Hilfe & DRR
Reduktion von Katastrophenrisiken DRR
Materielle Nothilfe
01.08.2012 - 31.12.2015
CHF 950'000

Marokko wird regelmässig von Erdbeben, Überschwemmungen und Erdrutschen heimgesucht. Diese Ereignisse führen jeweils zu grossen materiellen Schäden und menschlichen Verlusten in den Medinas. In diesen Altstadtquartieren sind die Häuser sehr eng aneinander gebaut oder nur durch schmale Gässchen voneinander getrennt. Diese Bauweise erschwert den Zugang der professionellen Rettungsteams zu den Opfern.

Mit den freiwilligen Helferinnen und Helfern in den Quartieren kann bis zum Eintreffen der professionellen Rettungsteams wertvolle Hilfe geleistet werden. Sie werden für einen raschen Einsatz im Fall einer Katastrophe ausgebildet. Wie die Erfahrung zeigt, werden zum Beispiel bei einem Erdbeben die meisten Verschütteten von Nachbarn, Passanten oder Familienangehörigen gerettet, bevor professionelle Rettungsteams eintreffen.

Diese Helfer kennen jedoch die Methoden und Instrumente einer Rettungsoperation kaum. Sie müssen daher für solche Situationen ausgebildet und ausgerüstet werden.

Ausbildung von 800 Freiwilligen

In Zusammenarbeit mit dem marokkanischen Zivildienst hat die DEZA seit 2012 über 800 Freiwillige (darunter 40% Frauen) in Fez, Meknes und Sefrou ausgebildet. Zurzeit wird das Projekt auch in Tanger und Casablanca umgesetzt.

Die frisch rekrutierten Freiwilligen absolvieren eine intensive Ausbildung, die verschiedene Bereiche umfasst: Katastrophenrisiken, psychologische Betreuung der Opfer, Grundkenntnisse in der Brandbekämpfung, Nothilfe, Ortung und Rettung von Verschütteten. Neben dem theoretischen Unterricht gibt es zahlreiche praktische Übungen.

Materialabgabe

Die Helferinnen und Helfer werden auch mit dem nötigen Material für Erste-Hilfe-Einsätze ausgestattet (Uniform, Handschuhe, Hydraulikpumpe, Feuerlöscher, Erste-Hilfe-Koffer usw.), das sie zuhause aufbewahren müssen. In jedem Quartier gibt es Container, in denen zusätzliches Hilfsmaterial aufbewahrt wird. Sie sind an einem sicheren und gut zugänglichen Ort aufgestellt und dienen auch als Rückzugsort bei Katastrophen.

Ein optimales Rettungsdispositiv

Die gut ausgebildeten und ausgerüsteten Freiwilligen sind ein wichtiges Glied in der Rettungskette. 2014 kamen sie bei Bränden und Überschwemmungen mehrmals zum Einsatz. Bei grösseren Katastrophen ergänzen sie die Such- und Rettungsteam der marokkanischen Zivilschutzeinheiten. Die DEZA hat die Verantwortung und das Monitoring für dieses Projekt inzwischen an die marokkanischen Behörden übergeben.

Ausdehnung auf das ganze Königreich

Die Hilfseinsätze der Freiwilligen geniessen mittlerweile grosses Ansehen. Das marokkanische Innenministerium hat entschieden, den Ansatz auf andere Medinas und Städte im Land auszudehnen. Die DEZA unterstützt die nationalen Behörden, damit die freiwillige Rettungshilfe landesweit institutionalisiert werden kann.