Händewaschen soll eine Selbstverständlichkeit werden

Projekt abgeschlossen
Mithilfe von Markern wird hier nachgewiesen, wie gründlich die Kinder ihre Hände gewaschen haben
Mithilfe von Markern wird hier nachgewiesen, wie gründlich die Kinder ihre Hände gewaschen haben. © DEZA SDC

In den Entwicklungsländern sind Durchfall und akute Entzündungen der Atemwege die Hauptursache der Kindersterblichkeit (zwei Drittel der Todesfälle) – fünfmal mehr als Malaria und dreizehnmal mehr als HIV/Aids. Gründliches Händewaschen mit Seife schützt wirksam vor diesen Infektionskrankheiten. In Indien will die DEZA das Händewaschen mit einer grossen Aufklärungskampagne fördern, an der sich soziale Medien, Cricketstars und Bollywood beteiligen.

Land/Region Thema Periode Budget
Afrika
Indien
Wasser
Gesundheit
Trinkwasser und Siedlungshygiene (WASH) (bis 2016)
Infektionskrankheit
01.04.2012 - 30.06.2014
CHF 1'200'000

Nicht für alle Menschen ist das Händewaschen mit Seife eine Selbstverständlichkeit. Dennoch ist diese einfache Geste die kostengünstigste Methode, übertragbare Krankheiten zu verhüten, so etwa Durchfall, an dem alle 20 Sekunden ein Kind unter fünf Jahren stirbt.

«The Great WASH Yatra» Ein Fest der Sensibilisierung

Auch in Indien soll das Händewaschen zur Gewohnheit werden, und deshalb unterstützt die DEZA eine ungewöhnliche Aufklärungskampagne. Sie wird in Zusammenarbeit mit der Regierung organisiert und ergänzt die staatlichen Investitionen in die sanitäre Infrastruktur. 

Die gigantische Hygienekampagne wurde von der deutschen Nichtregierungsorganisation WASH United gemeinsam mit indischen Kommunikationsexperten bis in alle Einzelheiten vorbereitet, und zwar in Form des Wanderfestivals «Yatra» (Sanskrit für Wallfahrt oder Prozession). Etwa fünfzig Tage lang zieht Yatra durch fünf Bundesstaaten im Zentrum des Subkontinents: Zwischen den

Städten Wardha in Maharashtra und Betthia in Bihar legt es an die 1900 km zurück. Wie ein Zirkus, der von Stadt zu Stadt wandert, lässt sich Yatra in verschiedenen Städten nieder und gibt Vorstellungen zu den Themen Händewaschen, Hygiene im Haushalt und Benutzung von Toiletten. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch der Hygiene im Zusammenhang mit der Menstruation, die sehr lange ein Tabu war, heute jedoch als wesentliche Voraussetzung der Gleichberechtigung und Würde der Frau anerkannt ist. 

Eine innovative Kampagne, die global wirken soll

Die Kampagne zeichnet sich durch drei innovative Aspekte aus:

  • Erstens handelt es sich um eine aussergewöhnlich umfangreiche Kampagne. Um eine Zielgruppe von achtzig Millionen Menschen zu erreichen, nutzt sie Marketingtechniken und mehrere unterschiedliche Medien.
  • Zweitens handelt es sich um eine positive Kampagne: Sie soll keine Schuldgefühle erzeugen (Beispiel: «Wer sich nicht wäscht, ist schmutzig»), sondern sich an traditionellen indischen Werten und Symbolen orientieren. Das Engagement von Grössen des Nationalsports Cricket sowie mehrerer Bollywood-Stars wird der Kampagne eine gewisse Aura verleihen. An der Eröffnung nahm Vidya Balan teil, eine der bekanntesten indischen Schauspielerinnen.
  • Drittens werden die unmittelbaren und die längerfristigen Auswirkungen eingehend analysiert, um den Einfluss der Kampagne auf die Verhaltensweisen zu evaluieren. Das Wasserforschungsinstitut Eawag der Eidgenössischen Technischen Hochschulen ist beauftragt, diese Evaluation durchzuführen. Sein Labor für die Modellierung gesellschaftlicher Systeme wird hierbei eine Untersuchungsmethode anwenden, die bereits in mehreren Ländern erfolgreich eingesetzt wurde, beispielsweise bei der Reaktion auf Choleraepidemien.

Ist die Kampagne erfolgreich, will die DEZA 2013 eine zweite Kampagne dieser Art auf einem anderen Kontinent organisieren. Die Erfahrungen in Indien dürften deutlich machen, dass positive Botschaften und ein innovativer Marketingansatz sinnvoll sind: Auch mit begrenzten Mitteln kann der Feldzug gegen schmutzige Hände und die damit verbundenen Infektionen gewonnen werden.